Methanreduktion durch Futterzusatz?
Wenn es um den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) geht, sind die Rinder und andere Wiederkäuer ganz vorne dabei. Durch das Wiederkauen der Nahrung entsteht Methan (CH4), das 26 mal mehr zur globalen Erwärmung beiträgt als CO2. Und bei den großen Mengen an Nutztieren auf dieser Welt wird das zum Problem. Jetzt soll es eine Lösung dafür geben: Bovaer.

Der Deutsche Bauernverband sagt dazu: „Bei der Produktion von einem Liter Milch werden bspw. durch die Entstehung von Methan ca. 1,1 kg CO2-Äquivalente freigesetzt. Das liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 2,4 kg und ist weit entfernt von den Emissionswerten Afrikas und Asiens mit 3,5 beziehungsweise 7,5 kg CO2-Äquivalent je Liter Milch.“
Dennoch, findige Tüftler sind auf die Idee gekommen, den Rindern was ins Futter zu mischen, was die Methanproduktion reduziert. Und zwar einen Inhibitor für ein Verdauungsenzym, das just beim Wiederkäuen (ruminieren) dieses schädliche Gas erzeugt. So könnten die Tiere dann ihre Emissionen reduzieren und die Milchviehhaltung würde klimafreundlicher.
Dieser Inhibitor ist die Substanz 3-Nitrooxypropanol und wird unter dem Handelsnamen Bovaer von der Firma DSM-Firmenich verkauft. Sie sagen von sich selbst, sie seien die Innovatoren im Bereich Ernährung, Gesundheit und Schönheit.
Prima, könnte man denken, dann ist ja alles in „Butter“. Vor fünf Jahren haben wir uns schon mal angesehen, wie das mit der Milchviehhaltung so ist, und auch dass dort schon Produkte der Erdölchemie verfüttert werden.
Wertschöpfungskette Kuh – muss man wirklich alles füttern?
Die Fragen, die sich stellen sind: Muss das so sein? Muss man Tieren „allen möglichen Scheiß“ ins Futter mischen? Zur Leistungssteigerung und dann noch zur Reduktion von Methan? Was bedeutet das für das Produkt „Milch“, wenn so viel „Chemie“ gefüttert wird? Und überhaupt: wie geht es den Tieren?
DSM sagt, alles fein. Die FDA stellt fest, dass Bovaer eine Augen- und Hautirritans ist und Achtung Landwirte!, dass die männliche Fruchtbarkeit geschädigt werden könnte. Aber sonst alles tutti?
Deswegen findet der Roll-out dieses „Futterzusatzstoffes“ in Großbritannien und Dänemark jetzt statt. Unter Beteiligung der Einzelhändler Tesco, Monisons und Aldi!. Dänemark hat seine Landwirte jetzt angewiesen, diesen Stoff dem Futter beizumischen. Und die dänischen Bauern laufen Amok: Sie beobachten, dass ihre Tiere hohes Fieber bekommen, Durchfall, entzündete Milchdrüsen bis hin zu Organversagen und Todesfälle.
Das sieht die Erzeugerfirma naturgemäß anders und erklärt – alles üble Misinformationen.
In Dänemark kocht jetzt gerade sprichwörtlich die Milch über. Etliche Bauern berichten über drastische Gesundheitseffekte bei ihren Milchkühen und sprechen im Agrar-Ministerium vor.
Im Oktober 2025 machte Dänemark nämlich das Verfüttern von Bovaer verpflichtend für Betriebe mit über 50 Kühen. Agriland versucht dabei zu differenzieren, ob die Nebenwirkungen durch “falsche” Dosierung und / oder den Zusatz anderer Futtermittel hervorgerufen wurden.
Eines ist jedenfalls klar. Die Erfahrungen aus Dänemark (verpflichtender Einsatz) und dem Pilotmarkt Niederlande (freiwillige Teilnahme am Pilotprojekt) sind komplett unterschiedlich.
Jedenfalls dürfen wir folgendes feststellen:
– Dänemark versucht seine Emissionsreduktionsziele in der Landwirtschaft durch Futterzusätze zu erreichen.
– den Landwirte, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen entstehen höhere Kosten
– der Einsatz von Bovaer spannt die finanzielle Lage der Höfe weiter an, besonders, wenn Kühe wegen des Einsatzes in der Milchleistung nachlassen.
Unsere Vorschläge
Zunächst mal an DSM-Firmenich: Wenn die niederländischen Landwirte sooo begeistert waren, wie es in den Testimonials dargestellt wird, dann wäre doch mal eine Nachfrage angebracht, ob sie weiterhin den Futterzusatz nutzen. Und falls nicht, warum nicht.
Der Vorschlag an Dänemark: Wenn ihr wirklich die THG Emissionen in der Landwirtschaft verringern wollt, warum verringert Ihr dann nicht die Anzahl der Tiere um 30%? Natürlich müßt Ihr dann den Landwirten Ausgleichszahlungen zahlen und/ oder die Produkte 30% teurer machen. Wollt Ihr nicht? Aber die Tiere sollen es richten?
An die Kundinnen, die im Supermarkt immer noch zu Milchprodukten greifen. Macht Euch klar, dass die Milchindustrie unterste Kategorie in der Tierhaltung ist. Man ist dort lieber geneigt, den Tieren Chemikalien zu füttern, statt artgerechte Haltung mit gesundem Futter anzubieten. Einzig die Menge zählt. Qualität der Produkte, sowie Gesundheit von Verbraucherinnen und den Tieren sind in diesem System Nebensache. Es ist ein abartiger Auswuchs des Kapitalismus, bei dem Landwirte und Verbraucher auf Kosten der Gesundheit der Tiere verarscht werden. Sorry, aber genau so ist es.
Bildnachweis:
Titelbild synthetisiert aus Material von Envato elements https://elements.envato.com/de/cute-boy-feeds-cow-with-straw-illustration-EKE7V8C und https://elements.envato.com/de/smelly-smoke-green-poison-clouds-M59CPDR mit freundlicher Unterstützung von Lilies n’birds
