More – Nutrition Hype um Proteine
More Nutrition ist eine Marke, die die Zielgruppe der jungen, gesundheitsbewußten Kosumentinnen auf Social Media anspricht. Die Produkte versprechen Gesundheit, Fitness und Abnehmen bei vollem Geschmack. Verwenderinnen und Influenzerinnen zeigen sich begeistert vom Verwendung und Effekt. Gleichzeitig tritt die Firma mit klaren Aussagen zur Gesundheit auf und macht sich damit angreifbar für Irreführung:
Hier zeigt sich das Phänomen des Social Media Marketing in seinem vollen Umfang: vorgepackte Warenkörbe, „sichere“ Lieferung zu einer bestimmten Zeit, Sonderaktionen zu bestimmten Zeitpunkten, Zusatzprodukte wie Shaker und gaaaanz viel Lifestyle. Die Mutterfirma The Quality Group geht sogar noch weiter und behauptet „Community-led. Quality-driven“ (Von der Gemeinschaft getragen. Auf Qualität ausgerichtet). Videos zeigen die Firma nah am Konsumenten ZB mit Einblicken in die Produktion oder Bewerbungen zur Einladung ins „Creator House“, für die man eigene reels als Bewerbung erstellen muss …
Das kommt aber nicht überall gut an. Annika, 21 (Lehramtsstudentin aus Greifswald), zeigt sich genervt von dem Instagram Auftritt und sagt: „Die Leute fallen drauf rein, dass sie sich durch die Aufnahme von Protein-reichen Lebensmitteln gesund ernähren würden und abnehmen können“.
Die more Webseite
Ist es wirklich das, was junge Leute wollen? Süß ohne Zucker, backen ohne Kalorien, voller Genuß ohne Reue? More bietet auf seiner Webseite in bunten Farben alles(?), was frau/man zum modernen Leben – oder sollte ich besser sagen Genießen? – braucht. Natürlich mit vielen Gesundheitshinweisen, die sich im Wesentlichen auf reduzierte Kalorien, Null-Zucker und viel Protein beziehen.
Da gibt es beispielsweise den Porridge mit Protein für €2,99 das Tütchen, ein Fläschchen Sirup, der hier Zerup heißt und Null Kalorien mit 100% Geschmack verspricht für Heiß- und Kaltgetränke für 10x65ml für €5,99, wer richtig viel Geld ausgeben will, kauft die „Tasterbox“ mit vier Fläschchen für €22,99.
Protein Porridge Inhaltsstoffe: Milchproteinkonzentrat 55 %, Vollkornhaferflocken (glutenfrei) 39 %, Glucomannan (aus Konjakwurzel) 2 %, Flohsamenschalenpulver, lösliche Ballaststoffe (Mais), Speisesalz, Laktase, Süßungsmittel (Stevialglycoside aus Stevia).
Zerup Peach Inhaltsstoffe: Glycerin, Wasser, Säuerungsmittel (Apfelsäure, Citronensäure), Säureregulator (Natriumgluconat), Pfirsichsaftkonzentrat 5,4 %, natürliches Aroma, Süßungsmittel (Acesulfam K, Sucralose), färbendes Lebensmittel (Konzentrat aus schwarzen Karotten), Farbstoff (Zuckerkulör), Konservierungsstoff (Kaliumsorbat). So ganz ohne Kalorien ist er nun doch nicht. In der empfohlenen Zubereitung sind dann immerhin noch 2kcal/ 100ml enthalten.
Hier habe ich nur zwei Produkte ausgewählt, die Webseite quillt aber über mit Proteinriegeln, Collagenpulver, Sahnealternativen und Gummies. Alles mit „chunky flavor“ und einfach zuzubereiten.
Proteine, wie gesund sind sie wirklich
Die meisten der In den more Produkten verwendeten Proteine kommen aus der Milch und werden als Milchproteine oder Caseinat beschrieben. In handelsüblichen Abnehmdrinks werden Molkepulver oder Whey-Proteine eingesetzt. So unterschiedlich ist das also gar nicht.
Da diese Proteine (wie Collagen auch) aber von Tieren kommen sind sie vor allem eines nicht – vegan.
Und gesund? Da gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. „The Recommended Dietary Allowance (RDA) for protein is a modest 0.8 grams of protein per kilogram of body weight.” Die empfohlene tägliche Proteinzufuhr liegt bei bescheidenen 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Das schreibt harvard medical im Educational Blog Eine 70 kg schwere Person braucht demnach 56g Protein/ Tag.
Wer Sport zu Muskelaufbau macht, dem werden bis zu 2,5 g Protein / kg Körpergewicht empfohlen.
Die RDA beschreibt die Menge an Nährstoffen beschreibt, die man essen sollte, um seinen Basisbedarf zu decken. In gewisser Weise ist es die Mindestmenge, die man benötigt, um nicht krank zu werden – nicht die genaue Menge, die man täglich zu sich nehmen sollte.
Aber davon sind wir meilenweit entfernt. Our World in Data zeigt die tatsächlichen Aufnahmemengen von Proteinen weltweit, die weit über den empfohlenen Bedarfen liegen.

Mai Thi hat ein differenziertes Bild zu Proteinen, das BFR rät bei Nahrungsergänzungsmittel zur Gesunderhaltung ab, die Verbraucherzentrale BW sagt sogar, dass sie gesundheitsschädlich sein können.
Gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe
In seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister hatte Karl Lauterbach ja schon mal einen Vorstoß zur gesunden Ernährung gewagt und war krachend gescheitert.
Für einige Inhaltsstoffe wie High Fructose Syrup sind Nierenschädigung und für Energy Drinks Einfluß auf die Leberwerte dokumentiert.
Doch die Liste gesundheitsschädliche Stoffe in Lebensmitteln ist nicht ganz ohne:
| Substanz(en) | Eingesetzt in | Macht …. |
| Trans-Fette | Fastfood, Backwaren, Margarine | Erhöhen LDL-Cholesterin, fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen |
| Natriumglutamat (E 621) | Fertiggerichte, Snacks, Würzmischungen | Kopfschmerzen, Appetitsteigerung, evtl. neurobiologische Effekte |
| Apartam (E 951) | Light-Getränke, Kaugummi, Diätprodukte | Kopfschmerzen, Stoffwechselstörungen, 2023 von der WHO als möglicherweise krebserregend eingestuft |
| Acesulfam-K (E950) | Zuckerfreie Produkte | Beeinflussung der Darmflora, Insulinreaktionen, Umweltbelastung |
| Carrageen (E407) | Milchprodukte, pflanzliche Drinks | Darmentzündungen |
| Zucker | Drinks Süßigkeiten, Getränke, Soßen | Adipositas, Typ-2-Diabetes, Fettleber, Karies |
| High Fructose Corn Syrup (HFCS) | Softdrinks, Süßwaren | Leberbelastung, Insulinresistenz, Nierenversagen |
| Nitritpökelsalz (E249-250) | Wurstwaren | Bildung von Nitrosaminen → krebserregend |
| Sulfite (E220-228) | Wein, Trockenfrüchte | Asthmaanfälle, allergische Reaktionen |
| Künstliche Farbstoffe (E102, 110. 129 und andere) | Süßigkeiten, Getränke | Hyperaktivität bei Kindern, Allergien |
| Palmöl | Backwaren, Fertigprodukte | potenziell krebserregende Stoffe bei starker Erhitzung |
| Omega-6 reiche Öle | Fast Food, Snacks | Entzündungsfördernd bei ungünstigem Omega-6/Omega-3-Verhältnis |
| Aluminiumverbindungen (E173) | Backwaren, Dekore | nervenschädigend |
| Phosphate (E338-341, E450- 452) | Fleisch, Cola, Schmelzkäse | Nierenbelastung, Gefäßverkalkung |
| Niacin (Vitamin B3) | Energy Drinks | Akute Hepatitis, Entzündungen bis zu Leberversagen |
| Kochsalz (Natrium) | Salz, Backpulver | Beeinträchtigung der Nierenfunktion, Bluthochdruck |
Eine nicht vollständige Auflistung von Inhaltsstoffen in Lebensmitteln, deren konkrete Schädigungen bekannt sind. Nicht dabei sind im Moment künstliche Aromen.
Lebensmittelzusatzstoffe und ihr Einfluß auf die Gesundheit sind erst ansatzweise untersucht.
Gesundes Abnehmen durch Proteine?
Diäten haben immer Hochkonjunktur. Mal ist es die low-carb-Bewegung, dann wieder die Mittelmeerdiät oder die Hoffnung mit industriell hergestellten Protein-Drinks das Wunschgewicht zu erreichen. Proteine haben den Vorteil, dass sie gut sättigen und dieses Gefühl lange anhält. Spoiler, das kann man übrigens auch mit Ballaststoffen erreichen. Was mit denen nicht geht, ist der Muskelaufbau und daher kommen die meisten Protein Drinks auch aus der Fitness- oder Kraftsport-Szene. Dabei dominieren Molkenprotein (Whey) und Casein den Markt deutlich. Soja, Erbse und andere Proteine heben deutlich geringere Marktanteile.
Wenn man sich also verdeutlicht, dass etwa 75% der verwendeten Proteine aus der Milchindustrie kommen, haben wir hier die Einbettung in dem ausbeuterischen Prinzip der industriellen Massentierhaltung. Wer also verdient an diesen Produkten?
Investoren-Landschaft bei der Firma More
Hier hilft mir die KI: More Nutrition gehört zur The Quality Group GmbH (TQG), einer großen Unternehmensgruppe für Nahrungsergänzungsmittel mit Sitz in Elmshorn. Die Beteiligungsstruktur teilt sich auf drei Hauptsäulen auf: Die Gründer, das Management und die Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners.
Die Eigentumsverhältnisse setzen sich im Detail wie folgt zusammen:
Mehrheitseigner: Der Finanzinvestor CVC Capital Partners ist seit 2022 der Hauptgesellschafter, um die internationale Expansion der Gruppe zu finanzieren.
Gründer und Management: Die ursprünglichen Gründer von More Nutrition und ESN Christian Wolf sowie das Führungsteam halten weiterhin signifikante Anteile und sind maßgeblich an der strategischen Weiterentwicklung beteiligt. Unter dem Dach der The Quality Group agiert More Nutrition als Teil einer integrierten Plattform, zu der auch weitere Marken wie ESN gehören.
Was mich hier aufhorchen läßt ist, dass eine große Investmentfirma in das Geschäft einsteigt, um an der Expansion zu verdienen. Das funktioniert besonders gut bei Wertschöpfungsketten, an deren einem Ende die Teilnehmer ausgebeutet und am anderen verarscht werden. Wobei hier die Ausbeutung Teil unseres westlichen Wirtschaftssystem ist und die Verarsche durch künstliche Bedarfe durch Social Media Marketing voran getrieben wird.

Fazit:
In einer Konsum getriebenen Welt mit den Verkettungen auf Social Media steht der Profit an erster Stelle und nicht die gesunde Ernährung. Die junge Lehramtsstudentin Annika hat also Recht mit ihrer Aussage. Aber schlimmer noch, wir dürfen vermuten, dass derartige Produkte on the long run gesundheitsschädlich sind. Dass sie jetzt schon für den Planeten schädlich sind, steht dabei außer Frage.
Eine Lifestyle Ernährung, also eine Kombination von Proteindrinks mit Energy Drinks , Alkohol und einer unausgewogenen Ernährung gerade bei jungen Menschen wird in der Zukunft zu vermehrten Allergie-Fällen und Darmerkrankungen führen und möglicherweise auch Einflüsse auf die Mentale Gesundheit haben.
Das Geschäftsmodell der Firma more ist mehr als umstritten. Außer Foodwatch sind auch andere auf die Methoden der Firma aufmerksam geworden und kritisieren sie. @chidemlee veröffentlicht am 28.5.2026 auf instagram eine politische Einordnung und verortet more und seine Methoden bei den extremen Rechten. Und bei Utopia sind sie auch auf dem Radar. Kurz für eine gesunde Ernährung braucht es kein
