Highway to Hell – Surfen von einer Hitzewelle zur nächsten
Am 28. Juni 2026 stellt der DWD fest: „Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen Europas, eine solch LANGE und INTENSIVE Hitzewelle so früh im Sommer gegeben.“
Der Klimawandel ist definitiv in Europa angekommen und eigentlich gibt es kein Wegducken mehr. Hier beleuchte ich, was die Hitzewellen bedeuten, welche gesundheitlichen Gefahren sie mit sich bringen, was wir tun können und schließe mit dem Aufruf an die Kommunen, endlich die Pläne zum Hitzeschutz umzusetzen.
Was ist eine Hitzewelle – eine Bestandsaufnahme
Als Hitzewelle wird eine mehrtägige Phase mit ungewöhnlich hohen Temperaturen beschrieben. Dabei steigt die thermische Belastung besonders in Städten stark an.

Wir beobachten derzeit, dass die Hitzewellen häufiger werden, eine Abkühlung dazwischen kaum vorhanden ist und Waldbrände in Europa immer früher im Jahr und stärker auftreten. Dazu kommt, dass es nicht regnet – Dürre. Frankreich stellt AKWs ab, die Loire ist Anfang Juli trocken gefallen, die Landwirtschaft stöhnt, Wassermanagement wird immer wichtiger und kritischer zB an der Ruhr, erste Kommunen verhängen Verbote zum Bewässern des Rasens und sonst? Wie kommunizieren die Kommunen mit ihren Bürgerinnen?
Völlig unterschätzt werden dabei immer noch, welche Gesundheitsgefahren mit einer Hitzewelle einhergehen, wie Wildtiere leiden und ganz zu schweigen von dem volkswirtschaftlichen Schaden, die sie mit sich bringt. Die Bilanz bisher ist erschreckend:
– Mindestens 5000 Tote in der Hitzewelle im Juni in Deutschland (wo bleibt der Aufschrei?), ja einige bringen das auf Social Media Plattformen, aber wäre es eine Infektionskrankheit, wir hätten schon längst einen lock-down.
– Wildtierauffangstationen melden Alarm: Jungvögel (meist Schwalben) springen wegen der Hitze aus ihren Nestern
– Insgesamt könnten sich laut der Allianz-Studie die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland zwischen 2026 und 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden US-Dollar (120 Milliarden Euro) summieren. Es seien gar Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt, also der Wirtschaftskraft, von bis zu drei Prozent möglich.
Es ist Sommer – strukturelle Realitätsverweigerung
„Es ist halt Sommer“ ist eine sehr häufige Entgegnung, wenn ich versuche über das Wetter zur Klimakrise zu gelangen. Ob sich die Leute die Situation nun schön reden wollen oder keinen Bock auf Vertiefung der unangenehmen Wahrheiten haben, egal. Es ist eben KEIN normaler Sommer mehr. Und Leute, die dies öffentlich äußern, sind nicht einfach nur etwas schlecht informiert, sondern sie verweigern die Realität. Wie viele von ihnen in deutschen Amtsstuben sitzen, wissen wir nicht, aber dass kommunale Hitzeschutzpläne nicht umgesetzt und stattdessen ganze Alleen abgeholzt werden wie die Lessingstraße in Mülheim, zeigt, dass es mit dem Verständnis des Klimawandels und der Dringlichkeit des (vernetzten) Handelns nicht weit her ist.
Katastrophe mit Ansage
Meine erste Erfahrung mit Hitzewellen liegt 23 Jahre zurück. 2003, der Sommer, den wir im Nachhinein vielleicht als einen der klimatischen Kipppunkte identifizieren werden. Ich lebte damals noch in kühlen Norden. Es war heiß. Nicht nur einen Tag sondern gefühlt zwei Wochen. Wie gesagt im Norden. Andere Teile Europas waren von dieser Hitzewelle besonders betroffen, wie zB Frankreich:
„Mit geschätzten 45.000 bis 70.000 Todesopfern und einem volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von geschätzten 13 Milliarden US-Dollar gehört sie zu den opferreichsten Naturkatastrophen der vorhergegangenen 40 Jahre weltweit, war eine der schwersten Naturkatastrophen Europas der 100 Jahre davor und wohl das schlimmste Unwetterereignis des Kontinents seit Beginn der modernen Geschichtsschreibung; am stärksten betroffen war Frankreich.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Hitzewelle_in_Europa_2003
Am Ende dieses Unwetterereignis habe ich es abgespeichert als „einmalig innerhalb von 10.000 Jahren“. Das war ein Fehler, denn nun häufen sich Hitzewellen. Und wir? Sind nicht vorbereitet – trotz Warnungen.

Hitzewellen und die Gesundheit
Hitzewellen führen nicht unweigerlich zum Tod, zumindest jetzt noch nicht. Zunächst verschlechtern sie unsere Konzentrationsfähigkeit und machen uns aggressiver. Insgesamt sinkt also unsere Leistungsfähigkeit und so sinkt dann auch der wirtschaftliche output (an dieser Stelle geht ein Gruß an den Kanzler raus: Hitze ist schlecht für die Wirtschaft!). Weiterhin verstärkt sie soziale Ungleichheit, arme sind häufiger gefährdet als wohlhabende. Gefährlich wird Hitze für Personen, die outdoor unterwegs sind; als Dachdeckerinnen, Landwirtinnen, Paketzustellerinnen oder aber bei Hitze Sport machen. Das heißt aber erst mal für Krankenhäuser und Rettungsdienste in Hitzeperioden erhöhtes Patientinnen-Aufkommen. Und das kann schon mal 50-100% betragen.
Diese Problematik ist Fachleuten bekannt und deswegen war ich am 25.3.2026 zu einer Diskussionsveranstaltung in Essen, bei der Stiftung Mercator.

Hitze und Klimawandel allgemein sind die größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit und beeinflussen die fünf großen nicht infektiösen Erkrankungen: Cardio-vaskuläre Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs, Diabetes, mentale Gesundheit. Zudem führt Hitze zu Biodiversitätsverlust (ja in der Natur!) und ist damit ein Sicherheitsrisiko.
Deswegen ist es beachtenswert, dass Heidmeier betonte, dass in NRW 10 Mrd€ für Krankenhäuser zur Verfügung stünden, von denen ein Drittel für Maßnahmen zum Klimaschutz vorgesehen seien. Panik breitete sich allerdings in seinem Gesicht aus als das Gespräch auf MANV, einen massenhaften Anfall von Verletzten kam. Hitze ist ein dezentrales Ereignis, das die gesellschaftlichen Gemeinschaftsdienste an ihre Grenzen bringt. Ähnlich wie ein militärischer Ernstfall. Unser Gesundheitssystem ist auf keines von beiden vorbereitet.
There is no glory in prevention
Prävention ist nicht sexy. Von den 500 Mrd€, die das Gesundheitswesen in Deutschland kostet, gehen gerade mal 1% in die Prävention. Dass Prävention – also das Vermeiden von Krankheit – oder Klimakollaps – letztendlich Geld spart, scheint in Berlin immer noch nicht verstanden zu sein,
Dabei wäre es so einfach, sagt von Hirschhausen, gesunde Entscheidungen leichter zu machen zB durch verringerte MwSt auf Gemüse und Obst.
Oder smarte Lösungen zur Energiegewinnung treffen und die Natur bunt, gesund und vielfältig zu machen. „Landscape immunity“ nennt Traidl-Hoffamnn das. Sie ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen.
Kommunale Hitzeschutzpläne
Obwohl es keine Pflicht gibt, kommunale Hitzeaktionspläne zu erstellen, war genau das eine Empfehlung der Gesundheitsministerkonferenz dies bis 2025 zu tun. Weiterhin gibt das Klimaanpassungsgesetz einen rechtlichen Rahmen vor, der die Länder verpflichtet, die Kommunen bei der Umsetzung der Klimaanpassung zu unterstützen.

Genau das moniere ich auch in meinem Kommentar und bekomme eine Antwort: Wir haben ja Förderprogramme.

Wir befinden uns in einer nationalen, ja globalen Notlage. Da kann es doch nicht sein, dass die Kommunen individuell beim Land die Fördergelder abrufen müssen!
Und Mülheim nun? Immerhin hat die Stadt festgestellt, dass der Klimawandel keine Inseln der Glückseeligen kennt und eine Vulnerabilitätsstudie in Auftrag gegeben, die die Hitzebelastung auf „Gebäudeebene“ beschreibt. Maßnahmen dazu wurden bisher weder in den Ausschüssen noch im Rat vorgestellt. Das muss sich schnellstens ändern!
Wir Bürgerinnen sind hier gefordert, Hitzeschutzmaßnahmen von den Kommunen einzufordern, genauso wie vom Land und Bund. Dazu gehört auch, die Verwaltung aufzufordern, mit dem Bestand an Stadtnatur umsichtiger vorzugehen, zu pflegen und erhalten, statt abzuholzen – aus welchen Gründen auch immer.
Highway to Hell
Auf der Erde brennt es, an Stellen, an denen es noch nie gebrannt hat. Rauch zieht von der kanadischen Provinz Ontario bis nach New York City. Auch wenn es in Deutschland gerade etwas kühler geworden ist, Regen ist nicht in Sicht. Die Parlamente verabschieden sich gerade in die Sommerpause. Die Wirtschaft schrumpft – eine Folge des Klimawandels und der Jahrzehnte des Nichtstuns. Dennoch wird immer wieder die Forderung nach Wirtschaftswachstum gestellt, mit dem – nur mit dem – sich Klimaschutz finanzieren ließe. Damit die Wirtschaft wieder wachsen könne, müsse man (unliebsame) CO2 Bepreisung und Forderungen nach ESG Kriterien wieder zurücknehmen. Also weniger Klimaschutz, um Geld für den Klimaschutz zu bekommen? Dieses leichtfertige – oder muß man schon sagen – vorsätzliche Handeln findet auf allen Ebenen der Politik statt. Niemand widerspricht, alle ducken sich weg. Oder doch nicht? Bist Du liebe Leserin, lieber Leser, die- / derjenige, die/ der sich engagieren möchte, nicht länger darauf warten möchte, dass was passiert? Wie wäre es mit Fridaysforfuture? Die For-Future-Bewegung hat sich schon lange professionalisiert, unter der Dachorganisation kannst Du mehr erfahren https://fridaysforfuture.de/.
Bildnachweis
Titelbild zusammen gesetzt aus
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